Kommunikation Mensch–Hund: Warum es so oft schief läuft

— by

1. Menschen senden unklare oder widersprüchliche Signale

Hunde lesen Körpersprache, nicht Worte. Wenn der Mensch sagt „Bleib“, aber gleichzeitig einen Schritt zurückgeht, die Schultern öffnet oder sich vorbeugt, sagt der Körper:

„Komm doch.“

-> Der Hund folgt dem Körpersignal, nicht dem Wort.

Typische Fehler:

  • Worte und Körpersprache passen nicht zusammen
  • Mensch redet zu viel
  • Mensch bewegt sich unbewusst in die falsche Richtung
  • Mensch schaut den Hund frontal an (Drohgebärde)

Mehr dazu:

2. Der Futterpunkt ist falsch gesetzt

Der Futterpunkt ist einer der größten Gamechanger und gleichzeitig einer der häufigsten Fehler.

Was schief läuft:

  • Futter wird zu hoch gegeben → Hund springt
  • Futter wird zu weit vorne gegeben → Hund zieht
  • Futter wird zu spät gegeben → Hund versteht nicht, welches Verhalten belohnt wurde
  • Futter wird in Bewegung gegeben → Hund wird hektisch

Richtig: Der Futterpunkt muss das Verhalten unterstützen, nicht zerstören.

Beispiele:

  • Leinenführigkeit → Futter am Bein
  • Rückruf → Futter nah am Körper (lieber einen anderen Verstärker nutzen)
  • Ruhe → Futter ruhig, tief, langsam

Mehr dazu:

  • Training ohne Futterchaos

3. Timing – die häufigste Ursache für Missverständnisse

Hunde verknüpfen Verhalten mit Konsequenzen innerhalb von 0,5–1 Sekunde.

Wenn das Lob oder Futter zu spät kommt, lernt der Hund:

  • nicht das gewünschte Verhalten
  • sondern das Verhalten, das er gerade jetzt zeigt

Beispiel: Hund setzt sich → Mensch sucht Futter → Hund steht wieder auf → Mensch gibt Futter → Hund lernt: Aufstehen lohnt sich.

Mehr dazu:

4. Trainingsschritte sind zu groß

Viele Menschen erwarten:

  • zu schnelle Fortschritte
  • zu schwierige Aufgaben
  • zu viel Ablenkung
  • zu lange Trainingsphasen (max. 1 Minute trainieren – 1 Minute Pause -> das noch 2x wiederholen, fertig)

Der Hund kann das nicht leisten, dann entsteht Frust durch Missverständnisse.

Richtig: Training muss kleinschrittig, logisch aufgebaut und erfolgssicher sein.

Beispiel Leinenführigkeit:

  1. Ohne Ablenkung
  2. Kurze Sequenzen
  3. Richtige Futterpunkte
  4. Erst dann draußen
  5. Erst dann mit Reizen

Mehr dazu:

  • Trainingsschritte planen

5. Der Ort des Trainings ist falsch gewählt

Viele starten direkt:

  • im Park
  • auf dem Feld
  • mit anderen Hunden
  • in hoher Ablenkung

Das ist, als würdest du einem Kind Mathe beibringen, auf einem Jahrmarkt oder im Spieleland.

Richtig: Training beginnt reizarm, nicht realistisch. Realismus kommt später!

Mehr dazu:

  • Ablenkung im Training

6. Wer trainiert –> wie, ist entscheidend

Hunde lernen kontextbezogen und personenbezogen.

Wenn:

  • eine Person konsequent ist
  • die andere aber nicht
  • eine Person ruhig ist
  • die andere hektisch
  • eine Person klare Signale gibt
  • die andere unbewusste Körpersprache sendet

… dann lernt der Hund Chaos.

-> Der Hund ist nicht inkonsequent, die Menschen sind es.

Mehr dazu:

Wissenschaftliche Quellen

Karen Overall (2013): Manual of Clinical Behavioral Medicine for Dogs and Cats → Beschreibt die Bedeutung von Timing, Verstärkung und Stressreduktion.

, ,

Schreibe einen Kommentar

Entdecke mehr von Das gewaltfreie Training

Jetzt abonnieren, um weiterzulesen und auf das gesamte Archiv zuzugreifen.

Weiterlesen